Kontaktdaten
Ortsverwaltung Bühl
Bühler Str. 50
77652 Offenburg-Bühl
E-Mail: ortsverwaltung.buehl@offenburg.de

Wie bei vielen kleinen Gemeinden der Ortenau ist auch bei Bühl die Entstehungsgeschichte ungewiß. So lässt sich leider nicht belegen, ob die Gründung der Gemeinde in die Frühzeit des Klosters Gengenbach zurückreicht, und wer zum ersten Male auf dem Boden Bühls rodete. Anders aber als bei den anderen Gemeinden, bei denen man wenigstens auf Grund einiger überlieferter Tatsachen Rückschlüsse auf eine mögliche Gründungszeit ziehen kann, fehlen diese Indizien der Gemeinde Bühl komplett. Fraglich ist auch, ob Bühl auf Grund seiner topographischen Lage ein bevorzugter Siedlungsort war. Die Böden Bühls gelten zwar als sehr fruchtbar, jedoch stand die Kinzig immer als drohende Gefahr für kommende Siedler im Hintergrund. Tatsache ist aber, dass das Schicksal der Gemeinde über Jahrhunderte lang von drei Faktoren bestimmt wurde: der stadtnahe Lage an der Landstraße nach Straßburg, seiner Funktion als Pfarrdorf, und dem Ackerbau. So brachte die stadtnahe Lage an der Landstraße Nachteile für die Gemeinde Bühl, da sie immer wieder von kriegslüsternen Landsknechtscharen, welche sich auf dem Weg in die Stadt befanden, passiert und geplündert wurde. Doch auch die nahe Kinzig zerstörte so manche Existenz durch ihre Hochwasser. So folgte auf Krieg und Hochwasser eine Zeit des Hungers und der Krankheiten für die Bürger. Noch im Jahre 1871 durchlebte die Gemeinde Bühl die Pest. Durch die Pfarrei, welche auch die drei anderen Gottswaldgemeinden betreute, erfuhr Bühl trotz der Tatsache, die kleinste der vier Gemeinden zu sein, eine hervorgehobene Position. Dass der dritte Faktor, der Ackerbau, für die Bürger wichtig war, beweist auch das Bühler Gemeindesiegel, ein über einer Baumkrone schwebendes Kleeblatt, sowie das Ortswappen.
Der Ortsname Bühl und die Lage des ältesten Ortskerns auf einer bis zu 12 Meter hohen Erhebung über dem Kinzigbett deutet auf die Siedlungsgeschichte hin, welche wohl von jenem Hügel aus gegangen ist. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass man das althochdeutsche Wort "puhil" sowie das mittelhochdeutsche Wort "bühel" für "Hügel, Anhöhe" in alten Schriftstücken als Schreibweise des Ortsnamens wiederfindet. Man sagt, dass auf dem "Bühel" eine Kirche für die Bewohner der Gottswalddörfer errichtet wurde, welche rechtlich zu Offenburg gehörte, doch auch hierfür fehlen leider die Belege.
Fest steht auf jeden Fall, dass die Gemeinde Bühl gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestand und zum Sprengel der Offenburger Pfarrei gehörte, was auch die Vergleichsurkunde eines Zehntstreits von 1242 belegt, in der Bühl zum ersten Mal erwähnt wird, da die Urkunde der Offenburger Pfarrei Zehntrechte der Gemarkung Bühl zusprach.
Die Gemeinde Bühl und Offenburg standen wohl immer in einer engen Beziehung. So wird zum Beispiel 1359 in einer Erblehenurkunde ein Bühler als Offenburger Bürger ausgewiesen, was die Folgerung zulässt, dass die Gründung Bühls von Offenburg ausging. Die Gemeinde war aber kein Teil von Offenburg sondern gehörte bis 1806 zur Reichslandvogtei Ortenau.
Zwischen 1413 und 1416 bemühte sich die Johanniter-Kommende verstärkt darum, an Bühler Eigentum zu kommen.
Auf Grund der Nähe zu Straßburg litt die Gemeinde Bühl sehr stark unter den deutsch-französischen Kriegen und erlangte somit einen kleinen Erfolg durch die Teilung des Drei-Dörfer-Allmends unter den Gemeinden Bühl, Griesheim und Weier 1787, welche jeder Gemeinde ein kleines Stück Eigenständigkeit zurückgab.
Eines der ältesten noch erhaltenen Dokumente im Bühler Archiv sind die Heimburger Rechnungen von 1796/97, welche detaillierte Einnahmen- und Ausgabenaufstellungen beinhalten. Durch diese detaillierte Aufzeichnung kann man heute noch auf Namen, Beruf und Gemeindeaufgaben einzelner Mitglieder schließen.
Auch J.B. Kolb beweist in seinem topographischen Lexikons Baden, in dem er schreibt: "Bühl, Pfarrdorf, ¾ Stunden von seinem Bezirksamte Offenburg an der Landstraße nach Straßburg gelegen. Es zählt 278 Seelen, hat eine Schule und nährt sich vom Ackerbau. Hier wohnte ehemals ein adliges Geschlecht von Bank, dessen Nachkommen im Bauernstande leben.", dass Bühl eine kleine Gemeinde war.
Einblicke in das Gemeindeleben erhält man ab 1813, da hier die ersten Ruggerichte stattfanden. Diese klärten die Verhältnisse der Gemeinde (so z.B. die Reinlichkeit und den Straßenzustand), hörten sich die Beschwerden der Bürger an, und überprüften das Inventar einer Gemeinde (wie z. B. die Feuerspritze). Da es der Gemeinde aber finanziell nicht besonders gut ging, legte das Ruggericht fest, dass die Anschaffung einer Feuerspritze erst getätigt werden muss, wenn es der Etat zulässt.
Im März 1824 erhält die Brauerei Okenfuß seine Schankerlaubnis, nur 5 Jahre später eröffnet das erste Gasthaus, das Gasthaus "Zum Anker" in Bühl. Das Gebäude dieses Gasthauses wurde bereits 1792 gebaut, und zählt somit als eines der ältesten Häuser der Gemeinde.
Ein Jahr danach, im März 1834 musste trotz der fehlenden Feuerspritze eine Feuerwehrmannschaft aufgestellt werden.
Den letzten Ruggerichtsspruch findet man im Jahre 1846. Das Gericht bemängelt abermals den alten Schöpfbrunnen und lässt ihn schließen, da er immer noch nicht ausgebessert wurde.
Im Jahre 1868 konnte die Gemeinde Bühl sich schließlich seine Feuerspritze kaufen und auch ansonsten ging es bergauf, da endlich nach der großen Auswanderungswelle zu Beginn des Jahrhunderts die Bevölkerungszahl stetig wuchs. Mit der wachsenden Bevölkerungszahl begann auch schließlich das Vereinsleben sich zu entwickeln, und so kann die Gemeinde die Gründung ihres ersten Vereines im Jahre 1901 verbuchen. Dies war nicht etwa, wie in anderen Gemeinden üblich, ein Gesangsverein, sondern ein Radfahrerverein. Dem folgte dann im Jahre 1909 der Gesangsverein, sowie der Turnverein 1920. Mittlerweile kann die Gemeinde Bühl eine stolze Summe von 10 Vereinen aufweisen.
Auch aus wirtschaftlicher Sicht ging es der Gemeinde langsam besser, da man nach und nach die Kinzig regulierte. Im Jahre 1952 war diese Regulierung abgeschlossen und Dämme gebaut, so dass Bühl weitgehend vor weiteren Hochwassern bewahrt werden konnte. Auch der Zustand der Gemeinde besserte sich, so dass sie im Jahre 1970 sogar den ersten Platz des Wettbewerbes "Unser Dorf soll schöner werden" belegte.
Seit der badenwürttembergischen Gemeindereform von 1971 ist die Gemeinde Bühl ein Teil der Stadt Offenburg, was sich auch bemerkbar macht. So konnte die Gemeinde ihren ländlichen Charakter zwar bis weit in dieses Jahrhundert bewahren, doch immer mehr Einwohner begannen in der Stadt zu arbeiten, bis schließlich 1991 der letzte Tabakbauer seinen letzten Tabak (wofür Bühl einst berühmt war) erntete und nur noch sehr wenige Landwirte übrig ließ. Dennoch hoffen die Bürger, dass die räumliche Distanz zur nahen Stadt Offenburg bestehen bleibt.